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Blumenwiesen

 

Blumenwiesen sind ein Fest für die Sinne. Musikalisch untermalt von dem hingebungsvoll brummenden und summenden Symphonieorchester zahlloser Insekten erfreuen sie uns im Frühsommer mit ihrer Blütenpracht. Natur pur ... oder etwa doch nicht? Die klassische, mehrmals im Jahr gemähte Blumenwiese gibt es in Wirklichkeit erst seit wenigen Jahrhunderten. Sie entstand ausschließlich durch den Einfluß des Menschen und ist daher alles andere als "natürlich", was an ihrer Schönheit und ihrem ökologischen Nutzen aber nichts ändert. Über Jahrtausende weideten von Hirten geführte Nutztiere frei in der Kulturlandschaft. Erst im 17. und 18. Jahrhundert kam es dann zur Entwicklung der von Hecken umgrenzten Standweiden. Während früher das Winterfutter für das Vieh weitgehend aus getrocknetem Laub bestand, konnten nun einzelne Flächen zur gezielten Produktion von Heu verwendet werden. Sie wurden daher nicht mehr beweidet, sondern mehrmals im Jahr gemäht die Blumenwiese erblickte das Licht der Welt.

Auf Dauer kann eine Wiese ihren Charakter nur durch Beweidung oder durch Mahd erhalten. Ohne diese kontinuierlichen Pflegemaßnahmen kommt es zu einer zunehmenden Verbuschung und schließlich zur Entstehung eines jungen Waldes mit einer völlig anderen Artenzusammensetzung. Diese Problematik lässt sich gut am Beispiel von Trocken- und Halbtrockenrasen erkennen, die ursprünglich von Schafen beweidet wurden. Seit die Beweidung finanziell zunehmend unrentabel wurde, kann der Charakter der Landschaft nur durch aufwendige, von Naturschutzorganisationen organisierte, Entbuschungsmaßnahmen bewahrt werden.

Während früher fast ausschließlich der blütenarme Schurrasen in unseren Gärten dominierte, wünschen sich heute viele Gartenbesitzer eine artenreiche Blumenwiese. Einen bereits bestehenden Schurrasen in die ersehnte Blumenwiese umwandeln, klappt in der Regel nicht. Hier empfiehlt sich eine komplette Neuanlage. Ein Rasen besteht aus wenigen, extrem konkurrenzstarken Grasarten, die einen dichten Filz bilden. Der Versuch einer Neuansaat ist daher unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Die Samen finden keine geeigneten Keimbedingungen, die wenigen überlebenden Keimlinge werden innerhalb kürzester Zeit von den Gräsern überwuchert und sterben ab. Eine zweite Methode besteht darin, den Rasen nur noch wenige Male im Jahr zu mähen und das Schnittgut abzutransportieren, um den Boden abzumagern. Selbst nach vielen Jahren dieser Pflege stellen sich nur wenige Allerweltsarten wie Löwenzahn, Gundelrebe, Gamander und Wiesenpippau ein. Die konkurrenzstarken Kulturgrasarten dominieren weiterhin, außerdem befinden sich im Umfeld meist keine Wiesenblumenarten von denen eine Neubesiedelung ausgehen könnte.

Bleibt also nur eine radikale Neuanlage!

Falls schon ein Rasen existiert muss der Bewuchs komplett vernichtet werden, dies geschieht durch mehrmaliges Fräsen oder durch manuelles Abtragen der Rasensoden. Für größere Flächen kann spezielle Rasenschälmaschine gemietet werden, die die Arbeit drastisch beschleunigt. Ein Abmagern mit Sand ist generell hilfreich, dadurch erhalten auch die Pflanzen nährstoffarmer Standorte eine gute Chance sich auf Dauer zu etablieren. Dazu sollte eine mindestens zehn Zentimeter dicke Sandschicht eingefräst werden. Bei der Ansaat ist die Qualität der Saatguts der alles entscheidende Faktor. Billigmischungen aus dem Gartencenter oder Baumarkt können sie getrost an ihren Kanarienvogel verfüttern. Sowohl die verwendeten Arten, als auch das Verhältnis von Gräsern zu Stauden entsprechen nicht den Bedingungen in einer natürlichen Wiese. Um wenigstens im ersten Jahr die erhoffte Blumenvielfalt vorzugaukeln, werden als Kundenköder üppig blühende, einjährige Arten verwendet, die in einer Wiese völlig fehl am Platz sind. Typisches Beispiel ist der Klatschmohn. Nach seinen fröhlichen roten Akzenten im ersten Jahr geht es dann kontinuierlich bergab, das Endstadium ist eine artenarme Gras- oder Kleewüste. Das Saatgut von Fachbetrieben für Naturnahes Grün und zertifizierten Herstellern von Wildsamenmischungen (siehe www.naturgarten.org) enthält ausschließlich heimische Wildarten in einer Artenzusammensetzung, die sich an natürlich vorkommenden Blumenwiesen orientiert. Solche Wiesen bleiben über viele Jahre stabil und artenreich. Die hohen Blumenwiesen sollten im Gegensatz zum Schurrasen nicht ständig betreten werden. Um trotzdem ausreichend Möglichkeiten zum Schauen, Staunen und Fotografieren zu haben, können mit dem Rasenmäher einzelne Weg zum Lustwandeln in die Wiese gemäht werden, frei nach dem Motto: "Der Weg ist das Ziel".


Literatur:
Ulrike Aufderheide
Rasen und Wiesen im naturnahen Garten
Pala Verlag, 2011

 

Hecken

Unsere Gärten bieten einen Lebensraum der vielfach unterschätzt wird. Privat- und Kleingärten nehmen eine Fläche von nahezu 93000 Hektar ein, das entspricht der Gesamtfläche aller deutschen Nationalparks. Viele Vogelarten, die ursprünglich Bewohner aufgelockerter Wälder waren, haben ihren Lebensraum im Zuge eines immer noch anhaltenden "Verstädterungsprozesses" in Gärten, Parks und Grünanlagen verlagert, den sie in teilweise erstaunlich hoher Dichte besiedeln. Hecken tragen entscheidend dazu bei diesen Lebensraum aus zweiter Hand ökologisch aufzuwerten. Sie dienen den Vögeln als Sitzwarten, Brutmöglichkeit, zur Nahrungsgewinnung (Insekten, Früchte) und als klare Grenzen zwischen den einzelnen Revieren.

Aus gestalterischer Sicht können exotische Sträucher wie Rhododendron, Forsythie und Feuerdorn zwar reizvoll sein, ihr ökologischer Wert liegt allerdings weit unter den einheimischen Arten. Einheimische Tiere und Pflanzen haben sich im Verlauf eines Jahrtausende andauernden Prozesses (Coevolution) optimal aneinander angepasst. Viele Schmetterlings- und Blattwespenraupen sind beispielsweise zwingend auf "ihre" arttypischen Futterpflanzen angewiesen. Dieses genetisch fixierte Verhalten bietet wenig Raum für Flexibilität, eine Raupe wird daher in der Regel eher verhungern, als eine fremde, ausländische Art anzunehmen. Bei Vögeln fällt eine starke Spezialisierung auf die Früchte einheimischer Straucharten auf. Weit oben in dieser Hitparade rangieren die einheimische Eberesche (63 Vogelarten), die Vogelkirsche (48 Vogelarten) und der Eingriffelige Weißdorn (32 Vogelarten). Von den Früchten des exotischen Feuerdorns profitieren gerade mal 4 Vogelarten, vom Essigbaum zwei Vogelarten und von Forsythie, Rhododendron und Azalee keine einzige. Typische einheimische Heckengehölze sind unter anderem Berberitze, Brombeere, Buchsbaum, Eibe, Faulbaum, Feldahorn, Hainbuche, Hartriegel, Hasel, Heckenkirsche, Himbeere, Holunder, Holzapfel, Holzbirne, Kornelkirsche, Kreuzdorn, Liguster, Pfaffenhütchen, Gemeiner Schneeball, Wolliger Schneeball, Traubenkirsche, Vogelbeere, Vogelkirsche, Weide, Eingriffeliger und zweigriffeliger Weißdorn und verschieden Wildrosenarten.

Stark giftige einheimische Wildsträucher sind die absolute Ausnahme, dazu gehören die Eibe und der Seidelbast. Viele Sträucher sind zwar ungenießbar bis leicht giftig, die Früchte schmecken aber für den Menschen in der Regel so unangenehm, dass die für eine Gesundheitsgefährdung erforderliche Mindestmenge nicht einmal annähernd erreicht wird. Es ist aber natürlich sinnvoll Kinder auf das potentielle Risiko hinzuweisen. Aufklärung und eine fundierte Artenkenntnis vermeiden Unfälle weit wirkungsvoller, als eine Verbannung dieser Sträucher aus unseren Gärten. In der Statistik werden als häufigste Ursache für Vergiftungen von Kindern Medikamente, Chemikalien und Putzmittel genannt, die Natur ist nicht so bedrohlich, wie oft gefürchtet wird.

Beim Neuanlegen einer Hecke wird oft eine ganz elementare Tatsache übersehen. Hecken wachsen! Das erscheint zunächst banal, kann aber der Auslöser für langwierige juristische Auseinandersetzungen mit dem Nachbarn sein. Das Nachbarschaftsrecht legt die maximale Höhe einer Hecke und den Abstand zur Grundstücksgrenze fest, nähere Auskünfte erhält man bei den Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Wer diese Informationen VOR der Pflanzung seiner Hecke einholt, kann sich sehr viel Ärger ersparen. Wenn die Sträucher zu dicht gepflanzt werden, kommt es zu einem Kampf ums Licht. Die Sträucher bilden nicht ihre arttypische Wuchsform aus, sondern streben möglichst rasch nach oben, verkahlen im unteren Bereich, und zwingen den Gartenbesitzer daher zu ständigen Schnittmaßnahmen. Ein Strauch mit ausreichendem Freiraum entwickelt sich dagegen auch ohne unsere Pflegeeingriffe zu unserer vollen Zufriedenheit. Bei mittelgroßen Sträuchern sollte der Mindestabstand zwei bis zweieinhalb Meter betragen, bei ausladenden Großsträuchern wie der Hasel sogar noch mehr.

Höchste Zeit auch in Ihrem Garten etwas auszuhecken!

 

Insekten und Wildblumenblüten

Käfer Klappertopf   Langhornbiene   Rosa gallica Complicat - Krabbenspinne

Ein Strauß roter Rosen kann das Herz der Angebeteten im Sturm erobern, aus Sicht der betroffenen Rosen ist diese Form menschlichen Balzverhaltens absolut barbarisch. Eine Blume blüht primär nicht, um unseren ästhetischen Ansprüchen zu genügen, vielmehr setzt sie gezielt auf professionelle Werbung in Form von Farbe und Duft, um einen ganz bestimmten Kundenkreis zu rekrutieren. Mit wenigen Ausnahmen (z.B. die Vogelblumen und Fledermausblumen) stammen die Kunden dabei aus den unterschiedlichsten Familien der Insekten.

Alle Pflanzen leiden unter einem gravierenden Nachteil. Sie sind „standhaft“ im wahrsten Sinne des Wortes, Mobilität zählt daher nicht zu ihren Stärken. Dennoch müssen die männlichen Keimzellen, die sich im Inneren der einzelnen Blütenstaubkörner (Pollen) befinden, auf irgendeine Weise zu ihrem weiblichen Gegenstück, den Samenanlagen in den Fruchtknoten gelangen, um dort mit den Eizellen zu verschmelzen. Eine Selbstbefruchtung der Blüten ist zwar häufig möglich, in diesem Fall entfällt aber der entscheidende Vorteil unterschiedliches Erbgut miteinander zu kombinieren, da alle Blüten einer einzelnen Pflanze erbgleich sind.

Viele Jahrmillionen war die Fortpflanzung im Pflanzenreich eine „windige“ Angelegenheit. Der Blütenstaub wurde rein passiv mit dem Wind transportiert und landete irgendwann mehr oder weniger zufällig auch auf den Blüten von anderen Exemplaren der gleichen Art. Diese Methode finden wir heute noch bei den Nadelbäumen und vielen Gräsern. Nachteile sind die Abhängigkeit von der Windrichtung und die enorm hohe Verlustrate, die eine Massenproduktion an Blütenstaub erforderlich machte. Sehr viel effektiver ist deshalb ein geflügelter Bote, der die Pollenfracht gezielt beim „richtigen“ Empfänger abliefert. Dabei wird ein Teil des am Haarkleid der Insekten haftenden Pollens zufällig auch an der klebrigen Narbe des Fruchtknotens abgestreift. Als Lohn für diesen Botendienst, durch den die Bestäubung der Pflanze erst ermöglicht wird, erhält das Insekt Pollen und Nektar.

Pollen enthält vor allem Eiweiß, außerdem Stärke, Fette, Zucker, Vitamine und Mineralstoffe, also alles was ein Insektenherz und das seiner Larven begehrt. Der hohe Energiebedarf der Insekten wird durch den Nektar abgedeckt, der in erster Linie aus einer wässrigen Zuckerlösung [Rohrzucker (Saccharose), Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glucose)] besteht. Die Zuckerkonzentration beträgt dabei bis zu 75%, ein optimaler Treibstoff für den energieverschlingenden Flug.

Ca. 500 einheimische solitäre Wildbienenarten (d.h. Arten, die im Gegensatz zur Honigbiene keine Staaten bilden) und ihre Larven leben ausschließlich von Pollen und Nektar, aber auch viele anderen Insektengruppen (Käfer, Fliegen, Schmetterlinge, Wespen, Wanzen u.a). profitieren von diesem Nahrungsangebot. Die Vorteile der Zusammenarbeit von Blüten und Insekten sind so groß, dass sich beide Partner im Verlauf von Jahrmillionen immer stärker aneinander angepasst haben (Coevolution von Blüte und Insekt). Die ersten Blütenbestäuber waren vermutlich Käfer. Diese derb gepanzerten, robusten Insekten zeichneten sich noch nicht durch übertriebene Feinsinnigkeit aus, häufig wurde die gesamte Blüte mit Stumpf und Stiel vertilgt. Nach und nach wurde dieses System dann aber immer mehr verfeinert.

Während der Nektar in den ursprünglichen flachen Scheibenblüten noch für alle Besucher mit einfach gebauten Mundwerkzeugen (z.B. Fliegen und Wespen) frei zugänglich war, wurde er bei verschiedenen Blütentypen nach und nach in die Tiefe verlagert. Nur Insekten mit einem etwas längeren Rüssel hatten jetzt noch Zugriff auf diesen zuckerreichen Energiespender und damit einen entscheidenden Selektionsvorteil. Für jede Rüssellänge gibt es das passende Blütenspektrum. Bei den Bienen hält das Weibchen der Gartenhummel (Bombus hortorum) mit 22 mm Rüssellänge den Rekord. Manche Tagfalterarten bringen es sogar auf 40 mm Rüssellänge. Viele Tagfalterblumen (z.B. Nelken, Spornblume) bieten daher den Nektar auf dem Grund tiefer Röhren an. Einige kurzrüsselige Hummelarten umgehen diese Vorsichtsmaßnahme der Pflanze mit einem genialen Trick. Sie beißen von außen ein Loch in die Blütenröhre gelangen so trotzdem an die begehrte Köstlichkeit. Honigbienen, die nicht in der Lage sind mit ihren Kieferzangen die zähe Pflanzenhülle zu durchdringen, profitieren ebenfalls von diesen illegalen Tankstellen. Man muss sich nur zu helfen wissen.

Bei den sogenannten „gefüllten“ Blüten wurden die pollenproduzierenden Staubblätter züchterisch komplett in Blütenblätter umgewandelt. Solche Blüten sind aus Sicht der Insekten wertlos und sollten daher im Garten möglichst nicht verwendet werden. Eine Alternative sind teilgefüllte Blüten, wie sie viele Rosensorten besitzen. Das ökologische Non plus Ultra für einen Naturgarten sind jedoch einheimische Wildstauden. Als grobe Faustregel geht man davon aus, dass von jeder Wildstaude ca. zehn verschiedene Tierarten abhängig sind. Der aus China stammende und häufig in unseren Gärten als beliebte Nektarquelle angepflanzte Schmetterlingsstrauch (Buddleja) ist ein Magnet für Schmetterlinge. Fehlen aber gleichzeitig die einheimischen Futterpflanzen für die Raupen, bricht die Fortpflanzung der Schmetterlinge zusammen. Einheimische Wildstauden befriedigen dagegen immer die Bedürfnisse von Raupe UND Schmetterling.

Wichtig im Naturgarten ist ein kontinuierliches Blühspektrum während der ganzen Vegetationsperiode. Hier sind vor allem Herbst und Frühjahr kritische Bereiche. Eine überwinternde Hummelkönigin kann im Frühjahr nur wenige Tage ohne Nahrung überbrücken, die Gründung des neuen Hummelstaates steht und fällt daher mit einem reichen Angebot an Frühjahrsblühern. Hier lassen sich die Interessen von Mensch und Insekt problemlos unter einen Hut bringen: Der Mensch erfreut sich an den ersten Farbtupfern nach winterlicher Trostlosigkeit und die Hummelkönigin kann wieder getrost in die Zukunft blicken.

 

Naturnahe Gartenteiche

 

Wasser ist Leben, aber auch Lebenslust pur. Wer jemals völlig im Spiel versunkene Kinder erlebt hat wird dies sicherlich bestätigen. Ein naturnaher Teich mit seinen zahlreichen tierischen und pflanzlichen Bewohnern verlockt zum Beobachten, Staunen, und lädt uns ein die Seele meditativ baumeln zu lassen. Früher war der im fröhlich-kitschigen Himmelsblau gehaltene Swimmingpool ein Statussymbol. Seine kristallklaren Fluten beruhten allerdings nicht auf intakten, biologischen Stoffkreisläufen, sondern auf einem "chlorreichen" Kampf. Keine Alge, keine Insektenlarve, kein Molch oder Frosch hatten hier auch nur die geringste Chance sich häuslich niederzulassen. Lange Zeit gab es keinerlei biologische Alternativen, um im eigenen Garten seine Schwimmbahnen zu ziehen. Diese Lücke schließen heute die naturnahen Schwimmteiche. Hier wird ein unterhalb des Wasserspiegels räumlich abgegrenzter Schwimmbereich von einer üppig bepflanzten, flachen Regenerationszone umgeben. Diese sorgt fü:r das biologisches Gleichgewicht und die erforderlichen Reinigungsprozesse im Wasser. Die Abgrenzung erfolgt zum Beispiel durch einen Holzrahmen, der auf der Teichfolie aufsitzt, der Grund des Schwimmbereichs wird nicht bepflanzt. Während des Schwimmens wird der Außenbereich - abgesehen von der Wasserbewegung - kaum gestört, Pflanzen und Tiere können sich deshalb optimal entwickeln. Je größer die Regenerationszone ist desto leichter stellt sich ein Gleichgewicht ein, hier kann auf Technik jeder Art komplett verzichtet werden, Filter oder Pumpen sind unnötig. Zur Abdichtung des Teiches gibt es inzwischen eine breite Palette an Teichfolien die über einem schützenden Vlies ausgelegt werden. PVC-Folien (Polyvinylchlorid) erhalten giftige und kanzerogene Weichmacher, bei Herstellung und Abbau entstehen hohe Belastungen für die Umwelt. Einen guten Kompromiss stellen die relativ teuren EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer)-Syntesekautschukfolien dar, die häufig im Teichbau verwendet werden. Sie lassen sich bis zu 500% dehnen, bleiben auch bei Minusgraden elastisch und halten viele Jahrzehnte. Bei größeren Teichen lassen sich maßgeschneiderte, fertig verschweißte Folien bestellen. Um ein Durchfrieren des Teichs im Winter zu vermeiden sollte die Wassertiefe mindestens 80 cm betragen, besser mehr. Eine flach auslaufende Folie erleichtert die Bepflanzung und verhindert das Abrutschen des Substrates. Hier hat sich einer mit grobem Kies abgedeckter, lehmhaltiger Unterboden bewährt. Einige Eimer Wasser aus einem nahe gelegenen Teich beschleunigen die Entwicklung der tierischen und pflanzlichen Kleinstlebewesen in einem neu angelegten Teich. Die Angst vor einer Stechmückeninvasion ist übrigens völlig unbegrü:ndet. Ein Heer von Gelbrandkäfern, Wasserwanzen, Rückenschwimmern, Wasserläufern, Libellenlarven und anderen Feinschmeckern lässt kaum Überlebende übrig. Kritisch sind dagegen Regenwassertonnen und andere Gefäße, in denen keine natürlichen Feinde vorhanden sind. Beliebte Mückenbrutstätten sind auch die Wasseransammlungen in alten Autoreifen. Der Besatz mit Fischen ist generell eine Garantie für Ärger. Meist kommt es zu einer raschen Vermehrung und einer starken Nährstoffanreicherung durch Kot und Urin, die eine Algenexplosion nach sich ziehen kann. Ob eine Besiedelung mit Amphibien erfolgt, sollte man gelassen abwarten, die Entnahme von Froschlaich aus der Natur ist generell durch das Bundesnaturschutzgesetz verboten. Frösche im Teich bilden immer auch ein gewisses Konfliktpotential. Während der Gartenbesitzer ergriffen ihrem Konzert lauscht und sich genüsslich am Busen der Natur alt, formuliert sein Nachbar bereits eine Anzeige wegen gesundheitsgefährdender Ruhestörung und holt sich Rezepte für Froschschenkel aus dem Internet. Gärtnereien bieten heute ein breites Sortiment an einheimischen Pflanzen fü:r die verschiedenen Wassertiefen an. (Link zu Euren Wasserpflanzen setzen?) Je mehr Pflanzen am Anfang gesetzt werden, desto schneller stellt sich ein Gleichgewicht ein. Jedes Gewässer in den Dimensionen eines Gartenteiches hat allerdings die Tendenz zu verlanden, der Gartenbesitzer muss also ab und zu regulierend eingreifen. Bei der Wahl der falschen Pflanzen kann dieser Prozess bereits nach wenigen Jahren abgeschlossen sein. Wenn Sie Ihre Freizeit also nicht mit einem nicht enden wollenden Kampf gegen die grüne Invasion verbringen wollen, sollten Sie um stark wuchernde Arten einen großen Bogen machen. Dazu gehören unter anderem Rohrkolben, Schilf, Ufer- und Schlanksegge, Rohrglanzglas, Schilf, schwimmendes Laichkraut und Igelkolben. Alternativ könnten Sie ein Nilpferd leasen, das als Unterwasserrasenmäher dient. Selbst relativ kleine Gärten bieten Raum für einen Teich, wer jemals einen besessen hat, wird ihn nie wieder hergeben.

 

Schattenbeete im Frühling

Hepatica nobilis - Leberblümchen   Eranthis hyemalis - Kl. Winterling   Daphne mezereum - Seidelbast

Es ist Frühjahr. Endlich! Dummerweise scheint die Natur es noch nicht zu wissen. Unser von winterlicher Trostlosigkeit ausgehungerter Blick schweift sehnsüchtig über die Schattenbeete im Schutz der Wildsträucherhecke. Da! Mitten in einem Schneefleck, der seine Vergänglichkeit dickköpfig verleugnet, zeigt sich ein erstes gelbes Aufblitzen. Damit ist der Frühling nun endlich offiziell eingeläutet. Halleluja! Ein Winterling ignoriert seine eisige Umgebung mit fröhlicher Unbekümmertheit und drängt zum Licht.

Klassische Frühjahrsblüher wie Lungenkraut, Lerchensporn, Buschwindröschen, Leberblümchen, Winterling, Schlüsselblumen, Huflattich und Schneeglöckchen gehen mit einer in der Pflanzenwelt fast ungebührlichen Hast vor. Randvoll gefüllte unterirdische Speicherorgane in Form von Zwiebeln, Knollen und Rhizomen (Erdsprosse) und weit entwickelte Erneuerungsknospen erlauben es diesen Pflanzen nach dem Startschuss im Frühjahr ohne jede Verzögerung durchzustarten. Meine Güte, wozu diese völlig unangebrachte Hektik? Es ist ein Wettlauf um den Faktor Licht. Auch Sträucher und Bäume beginnen nun die neue Saison, wenn auch deutlich gemütlicher. Gelassenheit ist ein grundlegender Charakterzug von Bäumen. Sobald sich im obersten Vegetationsstockwerk das Laub entfaltet hat, steht den Pflanzen am Boden nur noch ein Bruchteil der Lichtmenge zur Verfügung und die Photosyntheserate sinkt auf ein Minimum. Frühjahrsblüher, die bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Samen produziert haben, können einpacken.

Während die Bäume ihre kahlen Äste noch gähnend in den Himmel recken, tobt am Boden bereits das Leben. Licht und Wasser stehen zu diesem Zeitpunkt noch fast uneingeschränkt zur Verfügung und sorgen zusammen mit den unterirdischen Energiereserven der Pflanzen für eine rasche Blüte. Bei der Verbreitung ihrer Samen setzen viele Frühjahrsblüher (z.B. Lerchensporn, Schneeglöckchen, Leberblümchen, Veilchen) auf ein sechsbeiniges Transportunternehmen, die unermüdlich patrouillierenden Ameisen. Fett- und proteinreiche Anhängsel (Elaiosomen) an den Samen ziehen die Ameisen magisch an. Solche Kalorienbomben sind um diese Jahreszeit ein seltener Glücksfall und entsprechend begehrt. Nach dem Abknabbern der Anhängsel bleiben die Samen unangetastet liegen und keimen. In der unmittelbaren Nähe eines Ameisenhaufens ist die Vegetation daher oft besonders üppig. Nach der Samenproduktion bereiten sich die Pflanzen bereits auf das nächste Jahr vor, und verlagern alle verwertbaren Substanzen aus den Blättern in die unterirdischen Speicherorgane. Eine Wiesenfläche sollte daher erst dann gemäht werden, wenn die Blätter der Frühjahrsblüher gelblich und unansehnlich geworden sind. Gong frei zur nächsten Runde im kommenden Frühjahr.

Auch die ersten Sträucher starten nun durch. Die Blüten des zierlichen Seidelbasts erscheinen im zeitigen März schon vor den Blättern und verströmen einen unglaublich intensiven, aromatischen Duft. Man möchte seine Nase gar nicht mehr weg nehmen. Überwinternde Schmetterlinge wie kleiner Fuchs und Tagpfauenauge füllen hier erleichtert aufatmend ihren bedrohlich geleerten Nektartank. Die Giftigkeit dieser Pflanze sollte uns nicht abschrecken, eine bekannte Gefahr ist letztendlich keine Gefahr mehr. Auch die Blüten der Kornelkirsche erscheinen vor dem Laubaustrieb und überziehen die Zweige mit einem Schleier aus goldgelben Tupfen. Die von August bis Oktober reifenden, meist paarig herabhängenden Früchte werden im Volksmund scherzhaft als „Hahnenhoden“ bezeichnet. Sie lassen sich zu leckerer Marmelade und Kompott verkochen. Nicht alle Blüten halten ihr optisches Versprechen an die Insektenwelt. Das im Frühjahr in vielen Gärten allgegenwärtige Blütenmeer der Forsythien ist für Insekten eine unter Umständen tödliche Falle. Dieser aus China stammende Strauch produziert bei uns weder Nektar noch Pollen. Hummel- und andere Wildbienenköniginnen verschleißen ihre im Frühjahr extrem begrenzten Energieressourcen beim Abklappern dieser botanischen Mogelpackung. Im Hinblick auf den ökologischen Wert für die Tierwelt sollten wir daher nach Möglichkeit immer auf einheimische Sträucher zurückgreifen. Haselnuss und Salweide leiten die Frühjahrsblüte unserer Sträucher ein und beugen mit üppigen Pollen- und Nektarvorräten Energiekrisen im Insektenreich wirkungsvoll vor. Nehmen Sie sich doch einmal die Zeit und bestaunen Sie Farben und Struktur eines Weidenkätzchens aus nächster Nähe. Das Frühjahr birgt zahllose kleine Wunder, die wir ausgiebig genießen sollten.

 

Totholz lebt!

 

Als Totholz wird stehendes oder liegendes abgestorbenes Holz bezeichnet. Das können ein einzelner Ast, ein abgestorbener Baum oder alle Übergänge dazwischen sein.
Die lange Zeit von Ordnungsdenken und Gewinnoptimierung geprägte Forstwirtschaft hat Totholz weitgehend aus unseren Wäldern und Gärten verbannt, mit katastrophalen Folgen für das Ökosystem.
Totholz ist in unseren Wäldern ähnlich unentbehrlich wie der Humus im Gemüsebeet. Alle im Verlauf eines Baumlebens aufgenommenen oder produzierten Stoffe werden schwerpunktmäßig in Holz und Rinde gespeichert. Nach dem Absterben des Baumes leiten die holzabbauenden Organismen einen Recyclingprozess ein, der zur Bildung von Holzmulm und schließlich von wertvollem Humus führt. Dieser in Mulmhöhlen von alten Eichen bis zu Jahrhunderte andauernde Prozess ernährt eine nahezu grenzenlose Fülle von Organismen, unter anderem 1500 Pilzarten und 1400 Käferarten. Totholz speichert Feuchtigkeit, schafft günstige mikroklimatische Kleinräume, schützt Hänge vor Erosion und Lawinen und liefert ein optimales Keimbett für Baumkeimling. Der Schwarzspecht zimmert seine Wohnhöhlen in das Holz, auf der Liste potentieller Nachmieter stehen Höhlenbrüter, Fledermäuse, Bilche und Baummarder. Amphibien verbringen den Tag unter feuchten Stämmen, Reptilien genießen eine Etage höher die Annehmlichkeiten eines Biosolariums. Totholz bietet Wellness pur.

Totholz lässt sich auf viele Weisen in unsere Gärten integrieren. Das beginnt mit dem Gartenzaun aus unbehandeltem Naturholz. Im Hinblick auf Langlebigkeit punkten hier Robinie und Edelkastanie. Durch die UV-Strahlung wird das braune Lignin zersetzt, die zurückbleibende Zellulose gibt dem Holz die typische, filzig-weißgraue Oberfläche. Die Ansiedlung von Flechten beeinträchtigt die Haltbarkeit des Holzes nicht, Frühjahrsputzattacken mit Stahlbürste oder Dampfreiniger sind daher ein Akt barbarischer Willkür. Der klassische Reisighaufen ist ja bereits seit längerem ein „Muss“ für ökologisch Aufgeschlossene. In Verbindung mit biologischem Stacheldraht in Form von Wildrosen oder Brombeeren bietet er Schutz für die Nester von Rotkehlchen, Heckenbraunelle und Zaunkönig. Ringelnatter, Erdkröte und Blindschleiche finden dort ihren Unterschlupf. Uneingeschränkte Herrscher des Reisighaufens sind aber die null- bis vielbeinigen Vertreter der Wirbellosen: Schnecken, Würmer, Asseln, Spinnen und Insekten. Auch Wege können in ein Totholzkonzept einbezogen werden. Hackschnitzelwege sind leicht anzulegen, vor allem in Buchen- und Eichenholz entwickeln sich zahlreiche Käferarten. Die Nutzung schadet dabei nicht, im Substrat eines stark besuchten Londoner Parks fanden sich 1999 bei der Neuanlage eines 20 Zentimeter tiefen Hackschnitzelweges sage und schreibe 750 Hirschkäferlarven. Mitten in der Großstadt! Ein Holzstapel kann auch einmal dem Verfall überlassen werden, in sonnigen und schattigen Bereichen des Gartens stellt sich ein unterschiedliches Artenspektrum ein. Palisaden aus ungeschälten Stämmen lassen sich als Sichtschutz oder zur räumlichen Gliederung des Gartens einsetzen. Da sie keiner statischen Belastung ausgesetzt sind, erfüllen sie ihre Aufgabe auch noch in völlig morschen Zustand. Die Idee für Totholzpyramiden, bei denen unterschiedlich hohe, senkrecht stehende Stämme ca. einen Meter tief im Boden vergraben werden, stammt ursprünglich von dem deutschen Förster Ernst Tochtermann. Er rief ein Projekt zum Schutz des Hirschkäfers ins Leben. Natürlich profitieren auch alle anderen Totholzbewohner von dieser Maßnahme. "Käferbeete" sind ein vertrauter Anblick in den wildlife-gardens Englands. Ein Sammelsurium an Stämmen wird auf den Erdboden gelegt und teilweise auch eingegraben, hier ist Vielfalt Trumpf. Im Schatten können die Zwischenräume mit typischen einheimischen Waldpflanzen gefüllt werden. Für Pragmatiker bietet sich die Zucht von Speisepilzen an. Die Stämme werden mit dem unter sterilen Bedingungen kultivierte Myzel (zahlreiche Lieferanten im Internet) angeimpft. Nachdem der Pilz das Holz komplett durchwachsen hat, bildet er seine Fruchtkörper, die mehrere Jahre lang geerntet werden können. Um ausreichend Feuchtigkeit zu gewähren, werden die Stämme teilweise im Boden eingegraben. Was spricht gegen eine Totholzpyramide aus mehreren Stämmen mit verschiedenen Pilzarten? Totholz bietet wirklich für jeden etwas. Gönnen wir ihm seine Chance in unseren Gärten!

Quelle:
Lebensraum Totholz Gestaltung und Naturschutz im Garten
Werner David
Pala-Verlag, 2010

 

Wildrosen

Rose pimpinellifolia repens - Kriechende Bibernell-Rose   Rosa villosa - Kriech-Rose

Wer mit der Pflanzung einer Hecke aus Wildsträuchern liebäugelt, sollte auf keinen Fall die Vertreter der Wildrosen vergessen. Von aufwendiger Pflege haben die ca. 40 einheimischen Arten noch nie etwas gehört, sie sind frostfest, robust, wuchsfreudig und mit ihrem Einsatz in unserem Garten brechen "rosige" Zeiten für die Natur an. Die ungefüllten, scheibenförmigen Blüten bieten Pollen in verschwenderischer Fülle. Welches Insekt könnte einem derart paradiesischen Landeplatz widerstehen? Bockkäfer mit ihren mehr als körperlangen, gebogenen Fühlern, fressen die üppig mit Pollen beladenen Staubblätter mit Stumpf und Stiel. Dennoch verschleppen sie beim Abflug noch ausreichend Blütenstaub, um die Bestäubung der nächsten Blüten zu sichern. Wesentlich eleganter gehen die Bienen vor, darunter viele solitäre Wildbienen, die im Gegensatz zur Honigbiene keine Staaten bilden.

Den dichten Pelz goldgelb gepudert, transportieren Sand-. Blattschneider und Mauerbienen ihre kostbare Fracht zu den Brutzellen. Helikopterartig in der Luft stehende Schwebefliegen, Kleinschmetterlinge, Wanzen, Wespen und Hummeln geben sich die Klinke in die Hand. Sauber ausgestanzte, halbkreisförmige Löcher in den Blütenblättern weisen auf die Tätigkeit der Blattschneiderbiene hin. Ihr Nachwuchs wächst in einer mit Rosenblättern tapezierten Brutzelle heran. Bizarre, mit haarartigen Fortsätzen versehene Wucherungen sind ein Produkt der Rosengallwespe. Im Inneren dieser Gallen wachsen die Larven der Wespe vor Fressfeinden gut geschützt heran. Botanisch gesehen haben Rosen zwar keine Dornen sondern Stacheln, der Effekt dieses Biostacheldrahtes ist aber derselbe. Der nahezu undurchdringliche Rosenstrauch macht einen Bodyguard für viele Vogelarten komplett überflüssig. Die stachelige Pracht schreckt Feinde ab und bietet optimale Brutmöglichkeiten. Bei einigen Arten verströmen die Blüten den typischen, intensiven Rosenduft. Rosenliebhaber erkennt man an der pollengepuderten Nasenspitze die immer wieder mal einen tiefen Atemzug aus der nächsten Blüte nimmt. Im Herbst machen sich 19 Säugetier- und 27 Vogelarten voller Begeisterung über die nährstoff- und vitaminreichen Hagebutten her. Die "Häufchen" des Steinmarders können in dieser Zeit fast ausschließlich aus Hagebuttenkernen bestehen. Selbst der Fuchs schwenkt in dieser Jahreszeit auf einen teilweise vegetarischen Menüplan um. Aber auch der Mensch kann durchaus an diesem Reichtum teilhaben.

Im Frühjahr werden die jungen Blätter als Gemüse verwendet. Die Blüten bieten eine ganze Palette von kulinarischen Möglichkeiten: Als essbare Dekoration, als Blütenzucker, Blütensirup, Blütenwein, Blütengelee, kandierte Blüten, Blütenwein, Blütenessig oder getrocknet als Tee. Getrocknet und pulverisiert dienten die Blütenblätter als Schnupftabakersatz. Aus den Hagebutten lassen sich Likör, Wein, Marmelade und Gelee zubereiten. Die feinen Härchen im Inneren der Hagebutte wurden als Juckpulver zweckentfremdet. Unter den 40 einheimischen Arten finden sich vier Meter hohe Riesen wie die Hundsrose (Rosa canina) und zierliche Exemplare wie die 50 cm hohe Kriechende Bibernell-Rose (Rosa pimpinellifolia repens). Kahle Flächen und Zäune lassen sich mit der Kriechrose (Rosa arvensis) verschönern, die sich bis zu vier Meter hoch emporrankt. Die Apfelrose (Rosa villosa) beginnt ihre Blüte bereits im Mai, die Kleinblütige Rose (Rosa micrantha) blüht als eine der letzten Rosen noch im Juli. Farbe und Form der Blüten und Früchte variieren bei den unterschiedlichen Arten stark, eine Rosenhecke ist daher immer abwechslungsreich und reizvoll. Ihre Robustheit gegenüber Krankheiten macht den Griff zur Giftspritze völlig überflüssig. Rosen bestechen durch ihre Schönheit, den ökologischen Nutzen und die kulinarischen Aspekte. Daher spricht absolut nichts gegen rosige Zeiten auch in Ihrem Garten.

 

Duldsam

Des morgens früh, sobald ich mir
Mein Pfeifchen angezündet,
Geh ich hinaus zur Gartentür,
Die in den Garten mündet.

Besonders gern betracht ich dann
Die Rosen, die so niedlich;
Die Blattlaus sitzt und saugt daran
So grün, so still, so friedlich.

Und doch wird sie, so still sie ist,
Der Grausamkeit zur Beute;
Der Schwebefliegen Larve frißt
Sie auf bis auf die Häute.

Schluppwespchen flink und klimperklein,
So sehr die Laus sich sträube,
Sie legen doch ihr Ei hinein
Noch bei lebend'gem Leibe.

Sie aber sorgt nicht nur Fleiß
Durch Eier für Vermehrung;
sie kriegt auch Junge hundertweis
Als weitere Bescherung.

Sie nährt sich an dem jungen Schaft
Der Rosen, eh sie welken;
Ameisen kommen, ihr den Saft
Sanft streichelnd abzumelken.


© Werner David
www.bauches-lust.de

So seh ich in Betriebsamkeit
Das hübsche Ungeziefer
Und rauche während dieser Zeit
Mein Pfeifchen tief und tiefer.

Daß keine Rose ohne Dorn, Bringt mich nicht aus dem Häuschen.
Auch sag ich ohne jeden Zorn:
Kein Röslein ohne Läuschen!

Gedicht von Wilhelm Busch (1832-1908)